Wenn ich mich an die Geburt meines ersten Kindes erinnere, dann werde ich richtig euphorisch. Ich sehe das gemütliche Gebärzimmer, mich in der Badewanne, meinen Mann auf dem Badewannenrand, meine Hebammen Gesche und Sabine, die Hebammenschülerin Ylva, eine Atmosphäre von Ruhe, Konzentration und Freude.

Das Erlebnis erfüllt mich mit Kraft und Wunder und ich würde es gerne in die Welt schreien: es war ein berauschendes Ereignis! Ich will ein weiteres Kind, um diesen magischen Moment der Geburt noch einmal zu erleben.

Ich erinnere mich an einen ruhigen Sonntagmorgen, an dem ich von den Wehen geweckt wurde. Ich fühlte mich ruhig und unglaublich neugierig. Meine eigentliche Hebamme war Vanessa, aber an dem Wochenende war Gesche zugeteilt. Ich hatte Gesche vorher getroffen und die Chemie passte. Nach einem morgendlichen romantischen Knuddeln mit meinem Partner und einer warmen Dusche kamen die Wehen sehr regelmäßig. Ich rief Gesche an. Sie sprühte vor guter Laune, ich solle sie auf dem Laufenden halten. Ziemlich schnell musste ich die Wehen auf allen Vieren veratmen. Also trafen wir uns bereits mittags im Geburtshaus. Gesches Lächeln leuchtete. Ich habe sie energiegeladen und gleichzeitig ganz ruhig erlebt: meditativ und sportlich. Alle Ereignisse wurden mir vorher angekündigt und alles wurde so gemacht, dass es für mich möglichst bequem und angenehm war. Ihre Ansagen waren präzise. Ich wurde gefragt, ob die Hebammenschülerin Ylva, die ich aus Vorsorgeuntersuchungen schon kannte, dabei sein dürfte. Ich willigte gerne ein. Sie wurde zu unserer Fotografin.

Ich wollte plötzlich dringend in die Wanne, die auch gleich vorbereitet wurde. Ab da war mein Mann ein Fels in der Brandung. Gesche hörte regelmäßig nach einer Wehe die Herztöne unter Wasser ab, was ganz unkompliziert war. “Das Kind macht super mit, ein Sportskerl!” So, oder so ähnlich kommentierte sie das leise. In manchen Wehen hielt sie meine Hand. Ansonsten erinnere ich mich nur, wie sie uns als Paar lobte, wie super wir das machten. Wenn ich über den Beckenrand schaute sah ich in das Gesicht der Hebammenschülerin, die uns die ganze Zeit einfach nur anlächelte. Das spornte mich unglaublich an und gab mir Kraft. Ich fand es manchmal unglaublich anstrengend, aber ich fühlte mich total sicher. Ich spürte die Bewegungen meines Kindes und war ganz auf die Wehen konzentriert. Ich war ganz für mich und alle waren wohlwollend bei mir und dem Kind. Jede Wehe durchquerte ich mit langen tiefen Tönen, ich erinnere mich, wie der Klang im Badewannenrand anschwoll. Klang, Wehenschmerz und Wasser verbanden sich zu einer Schwingung, und dann schwebte ich ganz leicht auf den Pausen dazwischen. Die meiste Zeit lag ich vornübergebeugt auf einem Stillkissen auf dem Badewannenrand. Gegen Ende hielt mich mein Mann und ich hing zwischen seinen Knien. Gesche ermuntert mich, nach dem Kind zu tasten. Es war unglaublich zu spüren, wie sich das Köpfchen während einer Wehe langsam nach vorne schob. Ich erinnere mich an den unglaublichen Moment, als der Kopf zwischen den Beinen erschien. Mit der nächsten Wehe war das Kind draußen. Ich konnte es gar nicht fassen, da hatte ich es schon an der Brust, blitzschnell hatte Gesche es aus dem Wasser gefischt. Was vorher wie ein unüberwindbarer hoher Berg schien, war plötzlich verschwunden. Meine Müdigkeit war verflogen. Oh, war ich von der Naturgewalt meines Körpers überwältigt. Ich hatte es geschafft. Ich habe mein Kind geboren! Und ich hatte das Gefühl, dass meine Hebammen sich mit mir freuten. Meine Zweithebamme Sabine war die ganze Zeit dezent im Hintergrund. Ich habe sie erst später auf den Fotos entdeckt, während und nach Geburt habe ich sie nicht wahrgenommen. Gemeinsam halfen die Hebammen mir und dem Kind aus der Wanne, trockneten mich ab und begleiteten mich zum Bett. Das Kind schrie, und schrie. Ilva half beim Anlegen. Die Nachgeburt war unkompliziert. Es gab nur leichte Geburtsverletzung. Die auspulsierte Nabelschnur durfte der Papa durchtrennen. Als frisch gebackene Familie lagen wir 1-2h gemeinsam im Bett. Ab und zu guckten die Hebammen nach uns. Dann wurde die mitgebrachte Suppe aufgewärmt und während ich mich stärkte fand auf dem Wickeltisch neben mir die U1 statt. Der Papa durfte das Würmchen anziehen. Ylva half mir beim Aufstehen und Anziehen. Es war Abend geworden. 3h nach der Geburt umarmten wir uns herzlich und wir drei stiegen in das Taxi und fuhren nach Hause. 

S.