Am Abend bevor ich die ersten Wehen spürte, haben wir unsere Tochter – noch wohlig und geschützt in meinem Bauch – aufgemuntert, sich auf den Weg zu machen. Ob sie uns gehört hat oder ob wir uns selbst durch unsere Worte Mut zugesprochen haben, das wissen wir nicht so genau. Auf jeden Fall haben unsere Hebammen Vanessa und Peter dazu beigetragen, das Bewusstsein für diesen Moment zu stärken – wir haben uns einfach bereit gefühlt.

Als Hebammenteam haben Vanessa und Peter sich bei den Vorsorgeterminen abgewechselt. Neben der standardmäßigen Untersuchung, waren vor allem die Gespräche zum Thema Geburt sehr hilfreich. Da es unser erstes Kind ist, hatten wir keine Ahnung, was uns erwarten würde. Das wussten wir dann bis zur Geburt immer noch nicht, aber durch die mentale Vorbereitung konnte ich mich viel mehr auf meine Intuition verlassen. Gemeinsam hatten wir auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie mein Freund mich während der Geburt unterstützen könnte. Ich bin mir absolut sicher, dass diese Unterstützung im Vorfeld wesentlich zum unkomplizierten Verlauf der Geburt beigetragen hat. So stand einer selbstbestimmten Geburt nichts im Weg.

Nachdem ich am Vortag schon leichte, unregelmäßige Kontraktionen gespürt habe, begannen die Wehen an diesem Sonnabend schon am Morgen etwas stärker zu werden. Wir machten noch einen Spaziergang und nun musste ich während der „Wellen” schon stehen bleiben und bewusst atmen. Als wir wieder zuhause waren, kamen Wellen – bereits alle zehn Minuten. Gegen 14.30 Uhr rief ich Peter an, der an diesem Tag in der Rufbereitschaft war. Er fragte nach meinem Befinden und der Intensität der Wellen und wir stellten uns darauf ein, irgendwann am Abend noch ins Geburtshaus zu fahren. Im Vorfeld hatten wir auch ausführlich darüber gesprochen, wann die Fahrt zum Geburtshaus anstehen würde. Uns war klar, dass wir uns möglichst lange zu Hause beschäftigen würden.

Das taten wir auch: guckten Serien, hörten Musik und zwischendurch atmeten wir zusammen durch die Wellen. So langsam wurde ich unruhiger und wollte gerne ins Geburtshaus. Gegen 20 Uhr empfahl Peter mir nochmal in Ruhe zu duschen und zu prüfen, ob die Kontraktionen regelmäßig blieben. Die Dusche tat richtig gut und die Wellen wurden stärker. Ich musste mittönen. Mein Freund erinnerte mich nach der Welle immer daran, nochmal tief zum Kind zu atmen. Das half mir, um mich wieder zu sammeln. Gegen 22.30 Uhr war kein Halten mehr: ich wollte sofort ins Geburtshaus.

Da noch eine weitere Geburt im Geburtshaus Maja vor sich ging, die durch Peter begleitet wurde, musste uns zunächst eine andere Hebamme betreuen. Erfreulicherweise hatte Vanessa sich bereit erklärt, obwohl sie eigentlich frei hatte. Wir sind gleichzeitig im Geburtshaus angekommen und während das Zimmer hergerichtet wurde, stützte ich mich auf die Wickelauflage und atmete tief durch die Wellen. Bei der ersten Untersuchung des Muttermundes stellte sich heraus, dass dieser schon 9 Zentimeter geöffnet war. Wir hatten zuhause also schon eine Menge Wehenarbeit geschafft und ich freute mich sehr darüber. Instinktiv hatte ich gespürt, dass es nicht mehr lange dauern würde. Vanessa bat mich nochmal auf die Toilette zu gehen. Auf der Toilette sitzend veratmete ich einige Wellen bis ich dazu aufstand und mich dabei auf meinen Freund stützte, der vor mir kniete. Plötzlich platzte die Fruchtblase mit einem lauten Peng. Es dauerte einige Sekunden bis wir das begriffen. Der Druck im Becken nahm nun erheblich zu. Vanessa überprüfte nun häufiger die Herztöne. Da die Position im Stehen auf Dauer sehr anstrengend war, wechselte ich in den Vierfüßlerstand und legte dabei meine Arme um den Schoß meines Freundes. Vanessa drückte meine Füße gegen den Boden, damit ich besser loslassen konnte und ermunterte mich das Becken unten weit zu öffnen. Dann nahm Vanessa meine Hand und führte sie zu meiner Vagina. Mit den Fingern konnte ich den Kopf unseres Babys schon ertasten. Obwohl einige Dinge in meiner Erinnerung total verschwommen sind, erinnere ich mich an die Musik, die im Hintergrund lief. Mein Freund hatte meine Yogamusik aufgelegt. Für die letzten Wehen kam Peter nun als zweite Hebamme zur Geburt dazu. Es ging auf einmal alles so schnell – und schon war der Kopf da. Die nächste Wehe ließ etwas auf sich warten, aber dann kam um 1.05 Uhr auch der Körper unseres Kindes auf die Welt und sofort wurde unsere Kleine vor uns gelegt. Alle Anstrengung wich unmittelbar einer unbeschreiblichen Freude.

Wir hatten erstmal Zeit, uns aneinander zu kuscheln und dieses kleine Wunder zu bestaunen. Währenddessen wurde die Plazenta geboren. Bei der Versorgung der Geburtsverletzungen stellten Peter und Vanessa fest, dass ich doch etwas mehr gerissen war. Sie vermuteten einen Dammriss zweiten Grades, der allerdings etwas schwierig verortet war und rieten mir deshalb, für das Nähen der Verletzung ins Krankenhaus zu fahren. Ich vertraute beiden und nahm den Rat gerne an, auch wenn ich natürlich lieber von Vanessa oder Peter behandelt worden wäre. Die Verlegung ins Virchow Klinikum verlief entspannt etwa drei Stunden nach der Geburt, da die wunde nicht blutete. Unsere Tochter und Vanessa begleiteten mich im Krankenwagen ins Krankenhaus während mein Freund mit dem Taxi bereits auf dem Weg dorthin war. Es war sehr hilfreich, dass Vanessa uns begleitete und so die Ärztin genauestens informieren konnte. Glücklicherweise konnte ich mit einer lokalen Betäubung genäht werden und so stand unserer Heimkehr wenig später nichts im Wege.

Trotz der freundlichen Behandlung im Krankenhaus bin ich sehr froh, dass wir die Geburt im Geburtshaus erleben durften. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ich am falschen Ort war. Ich habe auch nicht daran gezweifelt, dass ich die Geburt ohne Schmerzmittel nicht schaffen könnte. Durch die liebevolle und professionelle Begleitung von Vanessa und Peter vor und während der Geburt war ich in der Lage mich der Situation hinzugeben und mir selbst zu vertrauen. Das ist ein großes Geschenk, für das ich meinen Hebammen zutiefst dankbar bin – noch dankbarer sind wir allerdings dafür, dass wir eine gesunde Tochter in unserer kleinen Familie begrüßen dürfen.

 

 

 

 

 

 

 

Steffi