Liebe Freunde der Umstandshosen, Ihr bekommt ein Baby? Das ist der Knüller schlechthin! HippHippHurra, Hände hoch und “hier” schreien, wenn Ihr die nächste Hebamme aus einem Geburtshaus erwischen könnt: denn ein Platz dort ist der Jackpot für Euch und Euer Apfelkernchen. Ihr seid noch unsicher? „Ahhh, Geburtshaus, ich weiss ja nicht, mhhh, neeeee vielleicht ist mir das sterile Krankenhaus mit dem beruhigenden Geräte-Piepsen doch lieber, könnte ja doch was schiefgehen und so…“ Versteh ich! Ich wusste – bevor mein Neffe geboren wurde – noch nicht einmal, dass es Geburtshäuser überhaupt gibt (was eine Schande ist, da es nur widerspiegelt, dass über dieses Thema viel zu wenig Wind gemacht wird, der allerdings dringend berechtigt wäre. Also jetzt eine kleine Böe von meiner Seite).

Wenn Ihr also keine Idee davon habt, was ein Geburtshaus überhaupt ist, dann: GEHT BITTE HIN! Guckt es Euch an, lasst Euch alles zeigen und erklären und danach seid Ihr entweder komplett überzeugt oder Ihr seid einfach nur um eine Erfahrung reicher und fühlt Euch vielleicht mit dem Entschluss im Krankenhaus, im Taxi oder im Wald zu gebären wohler. Alles völlig OK, solange Ihr Euch damit gut fühlt. Wenn Ihr aber beim ersten Besuch im Geburtshaus die gleiche Wärme erfahrt, wie ich sie erfahren durfte, dann werdet Ihr sofort wissen: Wie schön, mein Kind wird statt in einem grell erleuchteten, im schlimmsten Fall überfüllten, lauten und hektischen Kreisssaal in diesem ruhigen, warmen, wohligen Raum mit Kerzenschein und Musik (falls gewünscht) bei uns ankommen. Dann wird es bei uns sein, auf uns liegen, wir werden alle Zeit der Welt haben um zu verstehen, was da gerade passiert ist. Und die ganze Zeit wird meine Hebamme, die mich schon im Vorfeld über die Schwangerschaft hinweg wundervoll betreut und mir alles, was ich wissen wollte, geduldig erklärt hat (auch viermal hintereinander, wenn die Schwangerschaftsdemenz wieder ihr Unwesen treiben sollte) und immer für mich da war, nicht von meiner Seite weichen bis alles gemeinsam überstanden sein wird. Es sei denn sie muss mal aufs Klo. Aber dann gibt es immer noch eine zweite bezaubernde Hebamme, die herbei eilt um Eure Hand zu halten, den Steiß zu massieren, oder die Stirn zu kühlen. Wenn man ganz großes Glück hat, wird man sogar im Vorfeld gefragt, ob Hebammenschülerinnen bei der Entbindung dabei sein dürfen. Dann unbedingt wieder “hier” schreien, weil es ganz herrlich ist, wenn man von so lieben Menschen unterstützt wird, die nur darauf bedacht sind, dass es Mutter und Kind unter der Geburt gut geht, und das auf so dezente und zurückhaltende Weise. Hebammen sind ganz besondere Menschen. Es ist enorm wichtig, dass die Beziehung zwischen Euch und Eurer Hebamme stimmt. Deshalb nehmt Ihr während der Schwangerschaft einige Vorsorgetermine zum gegenseitigen Kennenlernen wahr und Ihr habt die Möglichkeit, für den Fall, dass es nicht so gut passt, eine andere Hebamme kennenzulernen.

Alles ist toll im Geburtshaus. Die Menschen sind fantastisch, sowohl fachlich als auch menschlich. Die Räume sind toll, die Betten sind toll, die Wannen sind toll. Die ganze Atmosphäre ist einfach super. Ich habe meine beiden Kinder in Geburtshäusern (aufgrund unseres Umzugs in zwei verschiedenen) zur Welt gebracht und würde es jeder Mama ans Herz legen, dem Geburtshaus eine Chance zu geben. Seht es Euch an, lernt die Hebammen und die Räumlichkeiten kennen und dann entscheidet nach Eurem Bauchgefühl. Ihr müsst euch wohl fühlen mit der Entscheidung!

Und bitte bitte lasst Euch nicht von eurem Umfeld verunsichern. Leider ist es so, dass die wenigsten Menschen wirklich wissen, was ein Geburtshaus ist und wie hoch die Auflagen sind, um dort überhaupt gebären zu dürfen. Deshalb stößt man unnötigerweise sehr oft auf alarmierende, verunsichernde und häufig auch sehr blöde Kommentare, wenn man von seinem Geburtshaus-Vorhaben erzählt. Lasst Euch das nicht verderben. Ihr werdet Eure Geburt als etwas rundum Wunderbares erfahren.

Ich bin weder esoterisch, spirituell, öko oder Globuli-fanatisch (obwohl öko vielleicht schon ein bisschen, so möchtegern Bio-Produkte-kaufen-öko), aber ich kam mir vor wie auf Wolken. Die Mädels da haben echt was drauf und die Aufmerksamkeit und Hilfe, die sie euch geben werden während der Vor-, Nachsorge und der Geburt ist mit Geld nicht zu bezahlen. Und das aller aller Schönste: nach der Geburt schnappt Ihr Euch Euer kleines Bündel und stapft auf wackeligen Beinen, stolz wie Bolle nach Hause ins Wochenbett. Eure Hebamme kommt jeden Tag vorbei und überprüft ob es Euch und dem Baby gut geht und es wird die schönste Zeit Eures Lebens. Und das sage ich voller Überzeugung, obwohl ich nach meiner ersten Geburt drei Brustentzündungen und erhebliche Stillprobleme hatte. Mit der Hilfe, Unterstützung und dem Fachwissen meiner Hebammen habe ich gelernt mit jeder Schwierigkeit umzugehen und nicht gleich aufzugeben.

Ein Hoch auf alle Hebammen und Geburtshäuser! Speziell vielen Dank Sabine und Sandra, für Eure unendliche Geduld mit mir und das Gefühl an einem Ort zu sein, der fast noch schöner ist als zu Hause.

Luzie